Geschichte des
Hacker-Hauses

Das Haus und die Familie Hacker – eine enge Verbindung

Erst durch die Folgen der Revolution 1848 wird Juden nach 1850 die Ansiedlung in den ländlichen Gemeinden Niederösterreichs ermöglicht. Völlige Gleichberechtigung erlangen die Juden Österreichs schließlich durch die Dezemberverfassung 1867. Ab dieser Zeit beginnen sich, vor allem durch Zuzug der jüdischen Bevölkerung aus dem heutigen Burgenland, größere jüdische Gemeinschaften in der Region zu bilden, zunächst in den beiden städtischen Zentren Wr. Neustadt und Neunkirchen, wo die wirtschaftlichen Aussichten locken. Zunehmend lassen sich aber auch jüdische Händler und Fabrikanten in der ländlichen Umgebung nieder. So lassen sich Max Hacker aus Lackenbach und Therese (sogar eine geborene Hacker) aus Szikra 1898 in Erlach nieder und erwerben das heutige Hacker Haus. Im Haus wird auch die Lebensmittel- und Textilhandlung der Familie untergebracht. Max und Therese Hacker tragen so zur wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes bei. Das Gebäude konnte über zwei Eingänge betreten werden und verfügte über fünf hohe Auslagen, um Waren zu präsentieren. So dürfte sich linkerhand das Textilgeschäft, rechts die Lebensmittelhandlung befunden haben. Das Ehepaar Hacker hatte einen Sohn, Fritz, sowie die beiden Töchter Martha und Frieda. Nach dem Tod von Max Hacker 1937 wurde die Firma als „Max Hacker&Sohn“ von seinem Schwiegersohn Ladislaus Kopfstein bis 1938 weitergeführt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 wurde die Familie Hacker im November 1938 abgeholt und in eine Sammelwohnung nach Wien verbracht. Von dort wurden Theresia Hacker und ihre Töchter 1942 nach Riga in den Tod deportiert. Die Liegenschaften der Familie Hacker 1941 versteigert. Damals erhielt die Gemeinde Erlach den Zuschlag. Einzig Fritz Hacker war die Flucht nach Palästina geglückt, wo er die Shoah überlebte und von wo er um sein Erbe kämpfte. Am 26.10.1949 konnte ein Vergleich mit der Gemeinde geschlossen werden und Fritz Hacker erhielt das Haus zurück, allerdings musste er der Gemeinde für die Rückstellung 22 000 Schilling bezahlen. Um 1960 verkaufte Fritz Hacker das Haus schließlich weiter und es wechselte noch öfter seine Besitzer, bis die Gemeinde Bad Erlach 2017 das Gebäude erwarb um hier auf Initiative von NR Bürgermeister Hans Rädler ein Kulturzentrum zu schaffen, das an die lange, wechselvolle und oft auch traurige Geschichte des Hauses erinnern soll.

Fritz
Hacker

Max & Theresia Hacker

Fritz Hacker

und Tochter Helga

Alle Fotos Copyright Cobie Brosh